Italiens Natur ist einzigartig, vielfältig und interessant. Wer jedoch genauer hinschaut, dem fällt auf, dass es in Italien so gut wie keine Kornblumen mehr gibt. In den letzten 15 Jahren habe ich bisher nur ein einziges Mal eine Kornblume in Italien zu Gesicht bekommen – und das in den Abruzzen. Mohnblumen, Margeriten, Kamillen und andere Wiesen- und Feldblumen sind reichlich vorhanden, aber eben keine Kornblumen. Nach tieferen Recherchen und Gesprächen mit Einwohnern in verschiedenen Regionen und Gegenden kam ich zu einem Ergebnis: Der massive Einsatz von Düngemitteln und Herbiziden in den letzten 50 bis 60 Jahren, hat in Italien die Kornblume fast zum Aussterben gebracht.

Der überwiegende Teil der Einwohner und Bauern bestätigte, dass es vor rund 50 bis 60 Jahren noch viele Kornblumen in Italien gab. Sie standen überall in und an den Feldern. Erst später wurden sie allmählich weniger. Als ich nachfragte, warum die Kornblume so drastisch in ihrem Bestand zurückgegangen sei, konnten nur wenige Personen einen Bezug zu Düngemitteln und Herbiziden herstellen. Selbst viele Bauern, die Düngemittel auf ihren Feldern einsetzten und heute noch einsetzen, konnten sich den Rückgang der Pflanze nicht erklären. 

Der massive Einsatz von Düngemitteln begann in den 1960er Jahren

Italienische Bauern begannen in den 1960er Jahren immer mehr auf Düngemittel in der Landwirtschaft zu setzen. 1981 wurden bereits in Italien massiv chemische Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt. Lediglich wenige Provinzen des Landes wurden noch vom exzessiven Gebrauch verschont wie das Aostatal, Sondrio, Belluno, Genua, La Spezia, Nuoro und Sassari, die allesamt weniger als 0,50 Doppelzentner chemischer Dünger pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche eingesetzt haben wie die Daten des Touring Club Italiano aus dem Jahr 1992 zeigen.

Die Provinzen Bozen, Trient, Gorizia, Savona, Massa-Carrara, Rieti, Aquila, Campobasso, Potenza, Cosenza, Trapani, Palermo, Enna, Caltanissetta, Cagliari und Oristano hatten chemische Düngemittel 1981 noch mäßig zwischen 050 bis 1,50 Doppelzentner chemischer Dünger pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche verwendet.

Ein massiver Einsatz mit mehr als 9,50 Doppelzentner chemischer Dünger pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche fand in den Provinzen Verona, Venedig und Neapel statt. Ebenso viel mit Werten zwischen 6,50 und 9,50 Doppelzentner chemischer Dünger pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche wurden chemische Düngemittel in den Provinzen Vercelli, Cremona, Mantua, Padua, Rovigo, Lucca, Bologna und Treviso eingesetzt.

Die restlichen Provinzen Italiens liegen im Mittelfeld mit Werten zwischen 1,50 und 6,50 Doppelzentner chemischer Dünger pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche.

Gemäß dem Institut für Umweltschutz und Forschung (ISPRA) regelt das Gesetzesdekret Nr. 75 vom 29. April 2010 in seiner geänderten Fassung die Herstellung und das Inverkehrbringen von mineralischen und organischen Düngemitteln in Italien. Laut ISTAT konnte 2022 im Vergleich zu 2021 ein deutlicher Rückgang der Düngemittelverteilung auf nationaler Ebene um -26,6 % verzeichnet werden. Dabei sind alle Regionen betroffen. Am deutlichsten ist der Rückgang von Düngemitteln jedoch im Nordosten um -27,8 % und im Zentrum -26,9 % zu spüren. Jedoch muss man hier anbringen, dass der Nordosten in Italien das Gebiet ist, was die meisten Düngemittel ausbringt, nämlich 35,2 % der italienischen Gesamtmenge.

Einsatz von Einfachdünger in Italien

Die nachfolgende Tabelle zeigt den Einsatz von einfachen Düngemitteln in Italien im Jahr 2022 in Tonnen pro Hektar (Quelle der Daten: ISTAT). Ein Einfachdünger sind Düngemittel, die nur ein Element enthalten wie Stickstoff, Phosphor oder Kalium.

RegionDüngelmitteleinsatz
Lombardei0,13
Venetien0,13
Friaul-Julisch-Venetien0,13
Emilia-Romagna0,12
Apulien0,08
Piemont0,07
Kampanien0,07
Marken0,06
Ligurien0,05
Umbrien0,05
Latium0,03
Basilikata0,03
Sizilien0,03
Toskana0,02
Abruzzen0,02
Molise0,02
Kalabrien0,02
Trentino Alto Adige0,01
Bozen0,01
Trient0,01
Aostatal<0,01
Sardinien<0,01

Nordöstliche Regionen sind beim Düngen Spitzenreiter

Die Ausbringung von Einfachdünger in der Landwirtschaft liegt in den Regionen Friaul-Julisch Venetien, Venetien und in der Lombardei mit 0,13 Tonnen pro Hektar im Jahr 2022 vorn, dicht gefolgt von der Emilia-Romagna mit 0,12 Tonnen pro Hektar Landwirtschaftsfläche. Schlusslichter sind Südtirol, Bozen, Trient, das Aostatal und Sardinien mit 0,01 und weniger Tonnen an Düngemitteln pro Hektar Landwirtschaftsfläche. Generell ging laut ISTAT im Jahr 2022 die Gesamtausbringung von Pflanzenschutzmitteln im Vergleich zum Vorjahr, also 2021, um 11,6 % zurück. Es wurden im Jahr 2022 102,9 Millionen Kilogramm Düngemittel in auf Italiens Felder aufgebracht, 2021 waren es noch 116,4 Millionen Kilogramm.

Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft

Die nachfolgende Tabelle zeigt den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft in Italien im Vergleich zu Deutschland. Gemäß der Daten der Food and Agricultural Organization of the United Nations (FAO) hat Italien seinen Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft von 100.596,4 Tonnen im Jahr 1990 auf 44.424,42 Tonnen im Jahr 2022 mehr als halbiert. Deutschland im Vergleich zu Italien hat im Jahr 1990 mit 31.289 Tonnen deutlich weniger Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt, hat jedoch seinen Einsatz bis 2022 auf 48.169,07 Tonnen gesteigert.

JahrItalienDeutschland
202244.424,4248.169,07
202150.177,3048.712,16
202056.372,5947.973,60
201948.405,2845.180,98
201854.038,5444.960,61
201756.451,0248.306,98
201659.963,8746.889,40
201563.084,9747.850,64
201459.235,4246.078,29
201355.455,0143.525,08
201261.88946.204,26
201170.69044.429,92
201071.61340.832,42
200974.17239.289,43
200879.64343.413,01
200780.45440.740,64
200674.34938.540,15
200584.64736.386,27
200483.81034.930,37
200386.05835.539,26
200294.21134.431,72
200175.97833.423,49
200079.44735.273,17
199981.58330.019
199884.11733.377
199784.79930.414
199674.617,2031.683
199584.15330.090
199481.217,6026.330
199389.282,2025.170
199288.227,6029.542
199188.916,6032.006
1990100.596,4031.289

Quelle der Daten: Food and Agricultural Organization of the United Nations (FAO)

Schutz- und Zuchtprojekte sollen Kornblume retten

Ob der Rückgang von Düngung und Pestiziden in den nachfolgenden Jahrzehnten die Kornblume wieder nach Italien zurückbringen wird, kann nur gehofft werden. Schon jetzt wurden im Land Schutz- und Zuchtprojekte ins Leben gerufen, um die Kornblume vom gänzlichen Aussterben in Italien zu retten. Viele Bauern setzen in der Landwirtschaft vermehrt auf einen biologischen Anbau, der den Einsatz von Düngemitteln und Herbiziden deutlich einschränkt. Biologische Felder erkennt man häufig am massiven Wildwuchs von Feldblumen.

Woran erkennt man ein ungedüngtes Feld?

Besonders im Piemont in den Provinzen Novara und Vercelli können viele biologisch bewirtschaftete Reisfelder entdeckt werden. Häufig erkennt man sie daran, dass die Reispflanzen weniger gelb leuchten, viele Mohn- und Kornblumen sowie andere Ackerblumen mitten im Feld stehen, an manchen Stellen weniger Pflanzen wachsen und das gesamte Feld weniger homogen wirkt. Ein gedüngtes und mit Herbiziden bewirtschaftetes Reisfeld erkennt man an der Homogenität der Reispflanzen, die in der Regel leuchtend gelbe bis ockerfarbene Ähren aufweisen, kaum bis gar keine weiteren Ackerpflanzen neben sich haben und die Reispflanzen im Gesamtbild höher und kräftiger wirken. 

Haben Sie Kornblumen entdeckt?

Haben Sie in Italien Kornblumen entdeckt? Dann schreiben Sie mir, am besten mit Angabe, wo genau Sie die Kornblume gesehen haben. Vielleicht haben Sie auch Lust, mir ein Foto von der Kornblume in Italien zu schicken. Ich würde mich darüber sehr freuen.